Arbeitskreis MUNA Lübberstedt e.V.

1992 bildet sich ein Arbeitskreis um Volrad Kluge mit 5 Personen, um die Vergangenheit der Luftwaffenhauptmunitionsanstalt Lübberstedt zu erforschen. Sie wollen dem Dorf diesen Teil seiner Geschichte wieder geben. Nach 4 Jahren intensiver Arbeit  stellen sie das Ergebnis mit dem Buch „Lw.2XI – Muna Lübberstedt, Zwangsarbeit für den Krieg“ vor. Das Buch ist leider vergriffen. Am 27.01.1996 gründen sie den Verein, um der Erinnerungsarbeit eine feste Basis zu geben. 1. Vorsitzender wird Volrad Kluge. Ihm folgen 2000 Helmut Lubitz, 2007 Erdwig Kramer und 2016 Karina Kögel-Renken. 39 Mitglieder unterstützen heute die Arbeit.

Ende 1939 beginnen in Lübberstedt und Axstedt in dem 420 ha großem „Königlichen Forst“ die Bauarbeiten für die Produktion von Granaten, Bomben und Seeminen für die Luftwaffe. In kürzester Zeit entstehen in Lübberstedt (an der Mühlen- und Denkmalstrasse, dem Mützenweg und in Bilohe) und auch in Axstedt 7 Barackenlager für ca. 2000 Arbeiter: Fremdarbeiter aus ganz Europa, Mitarbeiter großer Firmen, dienstverpflichtete deutsche Arbeiter und 2 Abteilungen des Reichsarbeitsdienstes. Das große Areal (420 ha) westlich der Eisenbahn wird bestückt mit  einer Kaserne, 22 Gebäude für die Füllung  und Verarbeitung der Munition, Verwaltungsgebäude und Lagerhäuser, 108 oberirdische Bunker (je 250 m²) zur Lagerung der Streubomben, Flakgranaten und Seeminen. Zur Infrastruktur gehören 30 km Wege, 8,5 km Eisenbahnnetz und die Elektro- und Wasserversorgung. Ein Zaun rundet die Anlage ab. Natürlich wird das Dorfleben durch den „Bauboom“ erheblich verändert. Nach dem Ende des Polenfeldzuges und der Heimkehr der Frontsoldaten entsteht hier statt einer erhofften „Schokoladenfabrik“  eine neue Munitionsfabrik. Die Arbeiter aus vielen Ländern Europas  und die deutsche Bauleitung üben einen schlechten Einfluss auf die Jugend aus, da sie ständig dem Alkohol zusprechen. Für die Menschen im Ort ergeben sich aber auch zusätzliche Einnahmequellen durch handwerkliche Leistungen, Hand- und Fuhrdienste und manche anderen Geschäfte.

Ab 1941 werden die Arbeiter größtenteils durch Ostarbeiter/innen, Kriegsgefangenen aus Polen und Russland ersetzt. Schließlich werden im August 1944 auch 500 jüdische Frauen aus Ungarn im Alter von 15 – 43 Jahren aus dem Vernichtungslager Ausschwitz in 3tägiger Fahrt in Güterwaggons hierher transportiert. Sie marschieren unter der Waffen-SS  in das geräumte Lager in Lübberstedt-Bilohe am Süd Tor des Geländes. Es wird jetzt als Außenlager des KZs Neuengamme geführt. Hier können sie sich 2 Tage erholen. Das Essen ist schlecht, zum Leben zu wenig und Sterben zu viel. Ihre Kleidung, Kittel und Holzpantinen haben sie mitgebracht. Tag und Nacht, bei Regen und Kälte dieselbe Bekleidung.  Strümpfe und Unterwäsche sind Fehlanzeige. Die Behandlung durch die Kommandanten und das Aufsichtspersonal der SS ist unmenschlich. Sie werden wie Sklaven behandelt, nein noch eine Stufe tiefer. Zeitzeugen bemitleiden diese Frauen und stecken ihnen unter Lebensgefahr Essen zu. Mehrere Frauen werden von den SS-Frauen oder dem Kommandanten erschlagen. Auf dem Friedhof in Lübberstedt ruhen 12 Tote aus dieser Zeit. „Männer, Frauen und Kinder“.

Bei der Evakuierung sterben ca. 120 Frauen unter den Bomben der Engländer bei Neustadt an der Ostsee.

Am Kriegsende wird die Muna noch zu einer Festung ausgebaut. Doch die Engländer fahren einfach in Richtung Wesermünde vorbei. Wesentliche Teile werden am 4. Mai 1945 von Pionieren gesprengt. Die Ostarbeiter springen bei den 30 Detonationen vor Freude in die Luft. Die Lübberstedter erleben ein riesiges Feuerwerk. Acht Brandherde werden am Abend durch den einsetzenden Regen gelöscht. Die Menschen in den Dörfern atmen auf. Sie werden vor einer Katastrophe bewahrt.

Der Nationalsozialismus und seine Folgen sind Teil der deutschen Geschichte und wirken bis heute nach. Der Tod unzähliger Menschen hat seine Wunden hinterlassen. Der Zuzug zahlreicher vertriebener Deutscher aus den Ostgebieten ist eine große Herausforderung. Wir müssen aus den Zusammenbruch unseres Volkes lernen und es besser machen. Deshalb möchten wir als Verein an diese Zeit erinnern. Es geht nicht darum, die Täter anzuklagen oder die Opfer zu beklagen sondern uns von innen zu betrachten. Was hat diese Zeit mit uns gemacht? Wozu sind wir unter bestimmten Umständen fähig? Welche Wunden tragen wir heute noch?  Was können und müssen wir aus der Vergangenheit lernen? Auch heute sind Demokratie statt Diktatur, Menschlichkeit statt Fremdenhass und Engagement statt Gleichgültigkeit gefragt.

Unser Verein bietet von April bis Oktober in dem noch verschlossenen  Waldgelände eine 2-3 stündige Führung an. Treffpunkt ist das Munator in Axstedt an jedem 3. Sonntag eines Monat um 14.00 Uhr. Gehbehinderte können mit dem PKW hinterher fahren. Gruppen – auch mit Fahrrädern – können einen Sondertermin vereinbaren.

Anmeldungen unter der Telefonnummer 04793 / 43 23 962 oder
an die Mailadresse munaluebberstedt@gmx.de.

Bahngleise in der MunaD5e Wache am Munator Das alte Handwerkerhaus Der Rosensee Die gesprengte Pulvermühle

Erinnerungsweg 2

Erinnerungsweg 2